Orangewines

WAS SIND ORANGEWINES EIGENTLICH?

orangewine

Es handelt sich hier um eine ganz urtümliche, handwerkliche und SCHONENDE ART DER WEINBEREITUNG. Urtümlich eben deshalb, weil bereits die ersten vorzeitlichen Methoden der Weinbereitung als Maischegärungen durchgeführt wurden – ganz unabhängig davon ob nun weiße oder rote Trauben eingesetzt wurden. Die Qualität der Weine wird sich nur erheblich von heute unterscheiden!
Die gemeinsame Gärung von Saft, Schalen und den restlichen Beerenbestandteilen nennt man MAISCHEGÄRUNG. Ob nun die ganze Traube (inklusive des Traubengerüsts/Stengel) oder nur die einzelnen Beeren vergoren werden, das bleibt dem Winzer überlassen, da Letzteres erhebliche qualitative Einflüsse (positive und negative) auf die Weinqualität hat. Für die Herstellung von roten Qualitätsweinen ist der Prozess der Maischegärung unerlässlich. Der rote Farbstoff (Anthocyane) ist in den Beerenhäuten lokalisiert und wird bei der Maischegärung über die produzierte Wärme und den Alkohol aus den Häuten gelöst. So bekommt der Rotwein seine rote Farbe. Anthocyane gehören zu der Stoffklasse der GERBSTOFFE, zu der eben auch die Tannine gezählt werden, die dem Wein u.a. die schöne Adstringenz geben bzw. die „Pelzigkeit“. In der Regel besitzen weiße Rebsorten nur wenige bis gar keine Anthocyane. Es gibt jedoch auch Ausnahmen. Darunter fallen u.a. die Sorten Grauburgunder oder einige Klone des Gewürztraminers. Die Trauben dieser Sorten fallen im Weinberg schon optisch durch ihre eher pink- bis lilafarbenen Häute auf. GERBSTOFFE SIND DER DREH- UND ANGELPUNKT WENN MAN VON „ORANGEWINES“ SPRICHT.

Warum? Eben weil die orangene Farbe der „Orangewines“ durch dieselben Gerbstoffe verursacht wird. Inwiefern dies nun durch Anthocynane hervorgerufen wird, ist rebsortenabhängig (wie wir eben bereits gelernt haben). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zusammensetzung der Gerbstoffe in weißen Trauben anders ist und somit eben eine andere Farbe hervorgerufen wird. Eben orange.

Es gibt jedoch einen weitaus wichtigeren Faktor, der die „Hochfarbigkeit“ der Weine bedingt und das ist der SAUERSTOFF. Sauerstoff initiiert spezielle OXIDATIVE PROZESSE im (Jung-)Wein, welche die Beständigkeit komplexer Farbmoleküle fördern. Nun aber genug von Weinchemie! Man sollte sich lediglich merken, dass Sauerstoff für die Weinbereitung besonders wichtig ist und dieser z.B. über eine offene Maischegärung (Maischegärung in einem nach oben geöffneten Gebinde) und einem sich anschließenden HOLZAUSBAU (z.B. Barriques) mit dem Wein in Kontakt tritt. Weine, die oxidativ ausgebaut wurden (also in Holz) weisen ein besonders langes Reifepotential auf und können daher noch in vielen Jahren genossen werden.

WIR KÖNNEN NUN ALSO ZUSAMMENFASSEN, DASS „ORANGEWINES“ WEINE VON WEIßEN REBSORTEN SIND, DIE WIE ROTWEINE HERGESTELLT WERDEN. HÄUFIG WERDEN BEGRIFFE WIE „ORANGEWINES“, „NATURWEINE BZW. NATURAL WINES“ UND SCHWEFELFREIE WEINE FÄLSCHLICHERWEISE IN EINEN TOPF GEWORFEN.

Der Name „Orangewines“ ist kein weinrechtlicher Begriff (Ja, es gibt tatsächlich ein deutsches Weinrecht!) und folgt daher keiner offiziellen Weinkategorie (Weinart). Es handelt sich hier vielmehr um umgangssprachlichen Begriff. Dasselbe gilt im Falle der „Naturweine“ und schwefelfreier Weine. Für keine dieser selbstgewählten Kategorien liegen (bundes-)staatliche Richtlinien vor, welche die Herstellungsmethoden weiter eingrenzen. Wahrscheinlich verschwinden genau aus diesem Grund die Grenzen zwischen den o.g. Begriffen.

So wie „Naturweine“ i.d.R. als schwefelfreie Weine betitelt werden, lassen sich unsere „Orangewines“ hier scharf abgrenzen. Unsere „Orangewines“ erhalten einen kleinen Anteil an Schwefel, der für eine mikrobiologische Stabilität sorgt und damit die Genießbarkeit der Weine sichert. Eben auch noch nach vielen Jahren.
Die anfänglich erwähnte schonende Art der Weinbereitung bleibt jedoch erhalten. Trauben werden erst spät vom Saft getrennt, gar nicht oder nur sanft gepresst und genießen einen LANGEN KONTAKT MIT DER HEFE. Es kommen, wie bei allen unseren Weinen, KEINE SCHÖNUNGS- UND STABILISIERUNGSMITTEL zum Einsatz und AUF EINE FILTRATION WIRD VERZICHTET. Somit wird das anfängliche Naturprodukt weitestgehend erhalten und zu einem edlen Tropfen verfeinert.

Aktuell bieten wir drei „Orangewines“ im Verkauf an. Die 2015 NICO ESPENSCHIED SAVAGE SCHEUREBE, den 2015 NICO ESPENSCHIED SAVAGNIN TRAMINER sowie das 2015 NICO ESPENSCHIED BAUCHGEFÜHL (eine Cuveé aus Chardonnay & Weißburgunder) . Aufgrund der vergleichbaren „Leichtigkeit“ der Savage Scheurebe bezeichnen wir diese auch gerne als „SUMMER ORANGE“ (selbst gewählter Begriff!).

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  1. 23. November 2016, 21:27

    Rolf VESTER

    Ich wurde durch einen SWR-Beitrag auf Sie und Ihre Orange-Wines aufmerksam. Inzwischen habe ich mich auf Ihren Infoseiten umgesehen und habe auch wahrgenommen, dass Ihre Vinothek ausgezeichnet wurde. Das klingt alles sehr interessant und verlockend, Sie und Ihr Sortiment kennenzulernen.
    Mich würde interessieren, ob Sie sich auch schon einmal mit einen reinen (rosefarbene Trauben) Gewürztraminer auseinander gesetzt haben? Oder habe ich das „mit einigen Klonen des Gewürztraminers“ falsch interpretiert? Ich habe früher (schon lange her) als Bub in der Pfalz bei der Weinlese geholfen und gerne die Gewürztraminerbeeren gegessen und dabei intensiv gekaut, um den charakteristischen Geschmack genießen zu können.
    Ich könnte mir vorstellen, dass auch hier ein exquisiter „Orange-Wine“ entstehen könnte.
    Noch eine kleine Anmerkung: sollte NICO ESPENSCHIED SAVAGNIN TRAINER nicht eher NICO ESPENSCHIED SAVAGNIN TRAMINER heißen?
    Viele Grüße
    Rolf Vester


    • 29. November 2016, 23:43

      laura

      Lieber Herr Vester,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir freuen uns immer neugierige Fragen zu unseren Beiträgen zu erhalten. Wenn man die Menschen zum Nachdenken angeregt hat, weiß man, dass man etwas richtig gemacht hat! :)
      Zu Ihrer Frage. Die Trauben für den Savagnin Traminer kommen aus nur einem Weinberg (wir haben auch leider nur den einen Weinberg Gewürztraminer). Es handelt sich um eine Plateaulage, die etwas nach Norden hin abknickt. Die Trauben weiter oben im Weinberg weisen immer die besondere „Rosa-Färbung“ auf von der Sie reden. Die Trauben weiter unten sind nicht ganz so rosa, bringen dafür aber die besonders schöne und wichtige Säure und Frische mit sich. Es handelt sich also wenn man es ganz genau nimmt nicht um ein „Klonengemisch“, sonders nur um sog. verschiedene Reifezustände. Sodann kann man aber behaupten, dass die Mehrheit der Trauben unseres Savagnin Traminers (nur einige wenige Weinbergsreihen fallen etwas nach Norden ab) von eben diesen rosa Träubchen kommen und daher auch die orangene Färbung des Weines. Je mehr Farbe im Weinberg (ganz egal ob eher rosa, gräulich oder bläulich) desto mehr Farbe im Orange Wine!

      Gerne senden wir Ihnen mal ein paar Fläschen unsere Orange Wines zu, damit Sie sich selber davon überzeugen können!?

      Auch vielen Dank für den Hinweis auf den Rechtschreibfehler ;)

      Liebe Grüße,
      Laura Espenschied


  2. 26. Mai 2016, 16:22

    Dr.Friedel Rohr

    Wieder mal was gelernt :-)
    Bin gespannt wie der Orange Wein schmeckt-
    Gruß
    Friedel

    PS: Die Schriftgrösse in der Beschreibung könnte vielleicht etwas grösser sein – ich hab zwar schon ne Brille, aber trotzdem leider bissel mühsam zu lesen für mein Alter *g*


    • 26. Mai 2016, 16:31

      laura

      Lieber Friedel,
      wie schön, dass dir der Beitrag gefallen hat :) Wir werden versuchen die Schriftgröße anzupassen – ist immer eine Frage der Technik und leider schwerer umzusetzen als man denkt! Trotzdem danke für die Anmerkung! Kritik ist immer sehr wichtig.